Junge Alternative Kassel: Ein Angriff und Sterben für die Waffen-SS

Querdenken 20.03.2021: vlnr "Juliano", Felix Kaltschenko, Philipp Kolodziej

Querdenken Demonstration 20.03.2021: vlnr „Juliano“, Felix Kaltschenko, Philipp Kolodziej (Bild: Recherche Nord)

Recherchebeitrag über die Junge Alternative Kassel

Inhalt:
1. Rechte Enthemmung: Angriff auf der Querdenken Großdemo
2. Faschisten im alten Gewand
3. Von der Naziburschenschaft zur Jungen Alternative
4. Kader ohne Jugend
5. Personen – Outings

                                  
Vor mehr als einem Jahr berichteten wir über einen PfeffersprayAngriff auf einen Ortsversteher der Kasseler Linken bei der „Querdenken“-Großdemonstration am 20.03.2021. Nun stellt sich heraus: Die beiden Angreifer waren und sind aktive Mitglieder der Jungen Alternative, der Jugendorganisation der AfD. Ein Anlass für uns, die Überreste der Jungen Alternative in Kassel und ihre faschistischen Ausfälle näher zu beleuchten.

1. Rechte Enthemmung: Angriff auf der Querdenken-Großdemonstration

Im Zuge der bundesweiten Mobilisierung der “Freien Bürger Kassel” kam es am 20.03.2021 zum  größten reaktionären Aufmarsch der letzten Jahre in Kassel. Damals zogen knapp 20.000 Personen durch die Stadt. Es kam sowohl mit Gegendemonstrant*innen als auch der Polizei zu einigen handfesten  Auseinandersetzungen. Auch wenn die organisierte Rechte in Kassel nicht die Führung der Proteste übernahm und der Großteil der Gewalt von aufgebrachten Bürger*innen selbst ausging, stellte es für sie doch eine seltene Möglichkeit dar: sich als Teil einer Volksbewegung zu fühlen und weitgehend konsequenzlos agieren zu können.
Bisher blieb dies, zumindest was die Strafverfolgung angeht, auch für die beiden Aktivisten der Jungen Alternative (JA) Felix Kaltschenko aus Kassel und “Juliano” aus Hannover so. Diese griffen am 20. März einen Ortsvorsteher der Kasseler Linken und umstehende Personen mit Pfefferspray an. Zuvor waren sie von ihnen auf das Verkleben von rassistischen Aufklebern am “Obelisken” (ein Mahnmal mit antirassistischem Ausdruck in Kassel) angesprochen worden.

Obwohl zeitnah ein Bild der beiden Angreifer aus den Reihen der JA veröffentlicht wurde, wurden die Ermittlungen zu dem Angriff wegen vermeintlichen fehlenden Ansatzpunkten eingestellt.

Querdenken Demo 20.03.21: Felix Kaltschenko (weißes Shirt) und "Juliano" (drohend) am Obelisken kurz vor dem Angriff auf Ali Timtik

Querdenken Demo 20.03.21: Felix Kaltschenko (weißes Shirt) und „Juliano“ (drohend) am Obelisken kurz vor dem Angriff

Beide Angreifer waren zu dem Zeitpunkt bereits für die Junge Alternative aktiv und sind es bis heute. Sie sind regelmäßig bei Kundgebungen und Aktionen der JA anzutreffen. Felix Kaltschenko nahm etwa bereits wenige Tage später am Bundeskongress der Jungen Alternative in Volkmarsen teil.

Weiter half Kaltschenko der Kasseler Bundestagskandidatin Sybille Johst im Bundestagswahlkampf und beteiligte sich an einer Winterwanderung der hessischen JA. Auch an einer Propagandaaktion im nordhessischen Reinhardswald nahm er teil – hier zu sehen neben dem Bundesvorsitzenden der Jungen Alternativen Carlo Clemens.

2. Faschisten im alten Gewand

Neben Felix Kaltschenko sind in Kassel aktuell maßgeblich Michael Werl, Lena Alt, Anthony Mergel und Lea Becker für die JA aktiv. Sie sind regelmäßig auf überregionalen Veranstaltungen anzutreffen. Lena Alt war zeitweise im Bundesvorstand der Jungen Alternativ und ist mit dem Vorsitzenden der JA-Hessen Michael Werl Teil des hessischen Landesvorstands. Ihr Freund Anthony Mergel aus Lothringen in Frankreich ist ebenfalls für die JA in Hessen aktiv und wohnt mittlerweile gemeinsam mit ihr bei Kassel.

Der Naziburschenschafter Werl ist dabei nicht der Einzige mit faschistischen Ausfällen: Anthony Mergel, selbsternannter “autoritärer völkischer Nationalist”, brüstet sich online geradezu mit neonazistischen Inhalten.

“Diese Gesellschaft gibt mir richtig Lust, die Zeit zurückzudrehen, um an der Seite der Helden Europas bei der Wehrmacht und der Waffen-SS zu kämpfen […]. Demokratische Demos und Opposition bringen nichts. Am Ende könnte nur ein bewaffneter Kampf den aktuellen Kurs stoppen.”
Anthony Mergel alias elsaessischer.wolf auf Instagram

Unter seinem Instagram-Pseudonym “elsaessischer.wolf” postet er regelmäßig antisemitische Kommentare zum politischen Geschehen (mit einem eigenen Ordner unter “Zionismus”) oder greift Konservative in der AfD an (die Partei müsse von solchen Elementen „gesäubert“ werden). Außerdem versuchte er in einem Kurztraktat seine “völkische Weltanschauung” darzulegen und übte sich darin eine aktuelle “Rassedefinition” über “deutschblütige” in Anlehnung an die Nürnberger Rassegesetzte aufzustellen.

Entsprechend finden sich bei ihm zahlreiche positive Bezüge zum historischen Nationalsozialismus, etwa zu Alfred Rosenberg, Hermann Göring und der Waffen-SS. Aber auch zu aktuellen Neonazibewegungen wie dem “Nordic Resistance Movement”. Es verwundert daher nicht, dass er selbst seine größte politische Übereinstimmung mit dem III. Weg und der NPD sieht und die AfD in erster Linie wegen des Höcke Flügels unterstützt.

Lena Alt tritt, vermutlich aufgrund ihrer öffentlicheren Stellung, selbst weniger offen faschistisch auf. Gleichwohl unterstützt sie die Äußerungen Mergels, postet Zitate des Freikorps und NSDAP-Unterstützers Leo Schlageter, redet über den deutschen Schuldkult und darüber, dass in der Rechten meist nur über die Symptome geklagt wird, aber man sich fragen müsse: “wer ist den der Parasit der hinter diesen Symptomen steckt. Man man muss das Problem an der Wurzel anpacken, aber das versteht hier wieder keiner.”

3. Von der Naziburschenschaft zur Jungen Alternative

Dass die aktuelle Zusammensetzung der Jungen Alternative in Kassel vor allem aus Faschist*innen und NS-Nostalgikern besteht, verwundert bei ihrer Geschichte kaum.

2016 wurde der Kreisverband der JA in Kassel von Michael Werl gegründet. 2015 hatte dieser noch das Amt des Schriftwarts in der Burschenschaft Germania inne. Hinzu kamen Tristan Lessing und Richard Klock; beide sind bis heute Mitglieder der Naziburschenschaft Germania. Lessing wurde, nachdem er öffentlich für die Identitäre Bewegung auftrat, aus Schadensbegrenzung aus dem Vorstand der JA Waldeck-Frankenberg geworfen. Ebenso erging es den Kasseler JA und IB Aktivisten Marius Deuker und Michael Dietrich. Richard Klock, der wie die beiden anderen Burschen Tristan Lessing und Michael Werl auch eine Nazivergangenheit hat, konnte dagegen ungestört von 2017 bis 2021 in der Stadtverordnetenversammlung sitzen. Er war noch 2019 mit Werl gemeinsam im Landesvorstand der JA Hessen aktiv.

Es lässt sich sagen, dass die Junge Alternative Kassel in dieser Zeit die Anlaufstelle einer Generation von Kasseler Burschenschaftern war und zudem den Identitären während ihrer Hochzeit ein weiteres Betätigungsfeld bot. Heute sind solche Doppelmitgliedschaften tendenziell obsolet. Die Junge Alternative versucht aktuell vor allem das zu bieten, was die Identitäre Bewegung versprochen hatte: das Gefühl Teil einer elitären Avantgarde zu sein. Dass dies freilich mit der Realität sehr wenig zu tun hat, müsste gegenwärtig selbst den Protagonist:innen klar sein. 

4. Kader ohne Jugend

Neonazistische Ausfälle und die eigene Inszenierung dürfen nicht über die aktuelle organisatorische Schwäche der Jungen Alternative hinwegtäuschen. Es finden in Kassel keine regelmäßigen Treffen statt, die Zahl aktiver Mitglieder stagniert im einstelligen Bereich und Aktionen werden nur noch auf Landesebene durchgeführt. Selbst diese konnten jedoch nicht an das Niveau vor der Corona-Pandemie anschließen.

JA Hessen: vlnr Manuel Wurm, Mark Wolfssohn, Michael Werl, Lena Alt, Anna Leisten, Moritz Schneider

Versuchte man während den Kontaktbeschränkungen noch “Gamingabende” durchzuführen, die allerdings nur das Kernpublikum erreichten, gab es in den Jahren 2021/22 fast keine eigenen Aktionen mehr. Für eine Winterwanderung kamen nur 10 Personen zusammen und an dem letzten bekannt gewordenen Stammtisch der JA-Hessen in der Kasseler Kneipe “Alt-Weilheiden” nahmen gerade einmal 13 Personen teil – darunter fünf Personen aus der Mutterpartei. 

Auch an der Winterwanderung nahmen mit Gerhard Schenk aus Bebra und Arno Enners aus Gießen zwei Landtagsabgerodnete aus den Reihen der AfD teil. Pflegten Teile des Landesvorstands zeitweise noch ein distanziertes Verhältnis zur eigenen Jugendorganisation – 2019 stand zwischenzeitlich immerhin die Auflösung der JA-Hessen auf der Tagesordnung – so scheint sich zumindest dieses Problem mit dem Rechtstrend der AfD erledigt zu haben. Abgeordnete aus Hessen wie Jan Nolte, Uwe Schulz, Mariana Harder-Kühnel, Heiko Frank Scholz, Gerhard Schenk und Andreas Lichert unterstützen die Jugendorganisation demonstrativ.

Nicht nur die eigenen Mobilisierungen, sondern auch die Versuche mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen an regionale Themen anzuknüpfen, laufen für die Junge Alternative mittlerweile meist ins Leere. Die Aktionen kopieren Inhalt und Form der Identitären Bewegung – erreichen aber nicht ihren ehemaligen gesellschaftlichen Resonanzraum. Für die “Rettet den Reinhardswald”Kampagne etwa wurden bundesweit Kader zum Fotoshooting in den nordhessischen “Märchenwald” gefahren – aber was nach der Aktion bleibt, ist allein die Selbstbestätigung mit filterüberladenen Bildern auf Social Media. Ein relevanter Einfluss auf die Bürgerinitiative ist nicht festzustellen, ein langfristiges Interesse der Akteure an den Themen kaum erkennbar.
Trotz der strukturellen Krise der rechtsextremen Jugendorganisation darf ihre Funktion, Kader für zukünftige Bewegungen herauszubilden, nicht unterschätzt werden. Der Angriff während Querdenken zeigt zudem: die Personen sind bereit Gewalt auszuüben, wenn sie die Möglichkeit dazu bekommen. Wir halten es daher für notwendig, der faschistischen Rechten in Kassel ihren Raum zu nehmen und die Aktivistinnen und Aktivisten der Jungen Alternative aus ihrer Anonymität zu holen. 

5. Personen – Outings

Folgend weitere Informationen zu den Aktiven in der Jungen Alternative Kassel.

Michael Werl

Kohlenstraße 27, 34121 Kassel

Michael Werl ist Landesvorsitzender der Jungen Alternative in Hessen und Neonazi. Er ist bereits seit knapp 8 Jahren für die AfD aktiv. 2015 gründete er eine Hochschulgruppe der Jungen Alternative an der Universität Kassel und ist seitdem Funktionär in der Kasseler AfD sowie im Landesvorstand der Jungen Alternativen Hessen. Er war seit dem Einzug in das Kasseler Kommunalparlament für die AfD als Stadtverordneter tätig, momentan ist er stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Bei der Jungen Alternative Hessen agiert Werl seit Anfang 2019 als Vorsitzender. Erst gemeinsam mit Jens Mierdel aus Fulda und, seitdem dieser 2020 aufgrund seines Engagement für die Identitäre Bewegung zurück treten musste, allein als Landesvorsitzender.
Vor seiner Zeit bei der AfD war Michal Werl bereits bei den Republikanern und seit 2013 bei der Kasseler Burschenschaft Germania aktiv. In diese Zeit fallen auch die geleakten Chats mit Lars Seyfarth, in denen er sich offen neonazistisch äußert. 2014 besuchte er gemeinsam mit anderen Germania-Mitgliedern Kundgebungen der rassistischen Straßenmobilisierung KAGIDA. 2015 hatte er in der Burschenschaft noch das Amt des Schriftwarts inne. Seit den Veröffentlichungen über seine neonazistischen Äußerungen 2017 ist er nicht mehr im Kontext der Burschenschaft aufgefallen. Allerdings scheinen Werls alte Connections noch zu funktionieren: So wurde er nach einem Farbangriff von Antifas auf sein Wohnhaus durch den „Solifonds“ der rechten Initative „Ein Prozent“ unterstützt, welcher unter anderem von dem Marburger Germania Burschenschafter Philipp Stein verwaltet wird.

Lena Clarissa Alt

Bonhoefferstraße 9, 34225 Baunatal

Lena Alt ist, neben Michael Werl, die zentrale Person der Jungen Alternative in Kassel. Seit 2020 ist sie im Landesvorstand der Jungen Alternative. 2021 wurde die heute 23-Jährige bei dem Bundeskongress der Jungen Alternativen in Volkmarsen zudem in den Bundesvorstand der JA gewählt. Anders als der kurzzeitige JA Sprecher Marvin Neumann – der gerade mal zwei Wochen im Amt war – schaffte Alt es immerhin ein paar Monate dort als Beisitzerin aktiv zu sein. Für ihr Ausscheiden noch im selben Jahr dürften dabei nicht inhaltliche, sondern persönlich Gründe maßgeblich gewesen sein. Sie ist allerdings weiter für die JA aktiv, nimmt regelmäßig an Demonstrationen und Wahlkampfaktionen teil. Ihre Zeit im Bundesvorstand hat mit dazu beigetragen, dass sie neben Werl überregional am besten vernetzt ist. So organisierte sie in Räumen der Kasseler AfD eine Klausurtagung mit Anna Leisten aus Brandenburg. Hier ging es in erster Linie darum, der JA in Hessen wieder auf die Beine zu helfen.
Ihren Freund Anthony Mergel, der ebenfalls für die JA aktiv ist, soll sie im Jahr 2018 über rechte Foren im Internet kennengelernt haben. Mergel ist häufig bei ihr zu Hause in Baunatal anzutreffen und nahm bereits mehrfach an Urlauben mit ihrer Familie teil. Insbesondere Lena Alt’s Vater, Guido Alt, fällt ebenfalls durch rechte Bezüge auf und zeigt sich online als Wehrmachtsfanatiker. Momentan steht Lena Alt vor ihrem Abschluss zur kaufmännischen Assistentin für das Fremdsprachensekrateriat an der Friedrich-List-Schule in Kassel.

Felix Kaltschenko

Bromeisstraße 48, 34125 Kassel

Felix Kaltschenko fiel erstmals auf, als er im Zuge der Querdenken-Großdemonstration am 20.03., mit einem Aktivisten der JA-Hannover, in Kassel Personen mit Pfefferspray angriff. Bereits im nächsten Monat nahm er am Bundeskongress der JA im nordhessichen Volkmarsen teil, wo er von seiner Mutter, Jutta Klein, eigens mit dem Auto hingebracht wurde. Klein selbst betreibt die Kneipe „Hänsel und Gretel“ an der Ihringshäuser Straße in Kassel. Anwesend auf dem Kongressen waren ebenfalls Michael Werl und Lena Alt. Mit Lena Alt zusammen half Kaltschenko auch im Bundestagswahlkampf der AfD aktiv mit. Außerdem nahm er an der Winterwanderung der JA im Dezember 2021 und der Propagandaaktion im Reinhardswald am 26. März dieses Jahres teil.
Ob sein Angriff noch strafrechtliche Konsequenzen haben wird, bleibt abzuwarten. In der Zwischenzeit scheint
sein Engagement für die JA allerdings Folgen gehabt zu haben: Laut Jutta Klein wurde das Auto nach der Teilnahme am JA Bundeskongress entglast und tiefergelegt.

Anthony Mergel

Bonhoefferstraße 9, 34225 Baunatal

Anthony Mergel trägt selbst für die JA seine faschistische Haltung außergewöhnlich offen zu Schau. Von NS-Verherrlichung, über die Bewunderung von Naziorganisationen bis zu offenen Antisemitismus findet sich fast alles auf seinen Social-Media Accounts. Er ist seit spätestens 2021 für die JA aktiv und seitdem gemeinsam mit seiner Freundin Lena Alt auf Veranstaltungen und Aktionen anzutreffen. Er selbst kommt aus dem Ort Longeville-en-Barrois in Nordfrankreich, Lena Alt soll er 2018 im Internet kennengelernt haben. Seitdem ist er immer wieder bei ihr in Baunatal anzutreffen und nahm an Urlauben mit ihrer Familie teil. Nach Abschluss seines Elektro- und Informationstechnik Studiums in Lyon dieses Jahr hat sich sein Lebensmittelpunkt nach Kassel verschoben.
Aktuell ist der 23-Jährige Faschist und Nazi-Renactment-Fan in der Softwareentwicklung des Solaranlagenherstellers SMA bei Kassel tätig.

Lea Becker

Süsterfeldweg 11, 34134 Kassel

Gut befreundet mit Lena Alt ist Lea Becker. Die JA-Aktivistin ist erst seit kürzerer Zeit politisch aktiv. Am 16. April besuchte sie den Kegelabend der Jungen Alternative im Restaurant „Alt-Welheiden“ mit ihrem Freund Christian Fels, welcher momentan an der Universität in Kassel studiert. Ebenfalls dieses Jahr nahm Lea Becker unter anderem mit Lena Alt und Anthony Mergel an einer Wahlkampfveranstaltung der JA in Dortmund teil. Dort trat sie als eine der Vertreterinnen der hessischen Jugendorganisation auf.

Paul Lorenz

Paul Wiliam Lorenz nahm spätestens seit 2020 an Aktivitäten der Jungen Alternative teil. Er beteiligte sich am Bundestagswahlkampf der AfD 2021 und an der Winterwanderung der hessischen JA. Auch nahm er im Februar 2022 an einer Kundgebung der AfD in Friedberg gemeinsam mit Aktivisten aus Südhessen teil. Kurze Zeit später zog Lorenz von seiner Dachgeschßwohnung in Bettenhausen nach Plauen, wo er gemeinsam mit seiner Frau Kira Lorenz wohnt. Er abeitet bei der Gewerbebaufirma Goldbeck als technischer Zeichner und ist in seiner Freizeit bei der Freiwilligen Feuerwehr aktiv.

Richard Klock

Ein weiterer JA-Aktivist mit Vergangenheit in der Naziburschenschaft Germania ist Richard Ferdinand Klock. Klock war von 2016 bis 2021 Teil der AfD-Fraktion in Kassel und 2019 gemeinsam mit Werl im Landesvorstand der JA aktiv. Mittlerweile sind keine Aktivitäten in der Kasseler JA mehr feststellbar. Jedoch ist er als Gründungsmitglied nicht aus dem Charakter der Vereinigung wegzudenken.
Wie Werl ist Richard Klock Burschenschafter der Germania Kassel. 2022 konnte seine Teilnahme an der Beerdigung von Harald Lönnecker in Coleur der Kasseler Burschenschaft festgestellt werden. Mit ihm nahm unter anderem Tristan Lessing teil, vor seinem Rauswurf ebenfalls JA-Aktivist und Naziburschenschafter. Ursprünglich kommt Richard Klock aus Gießen. Seine Familie betrieb dort bis Ende 2020 das Fitnessstudio „Clox Fitness“ und fiel unter anderem auf Social Media mit Holocaustleugnung und Glorifizierung des HJ Jugendführers auf. Richard Klock schlägt in dieselbe Kerbe wie seine Familie. So stand sein Name auf einer geleakten internen Einladungsliste für die NPD-Stiftung „Bildungswerk für Heimat und nationale Identität“. Verantwortlich für die Liste war der langjährige NPD-Funktionär Arne Schimmer, der in Gießen studierte und Mitglied der Naziburschenschaft Dresdensia-Rugia zu Gießen ist. Es liegt Nahe, dass sich beide persönlich kennen und Klock vor seinem AfD-Engagements ebenfalls NPD-Mitglied war. Eine vorherige Parteimitgliedschaft und die Einladung zur NPD-Stiftung sprechen dafür. Nichtsdestotrotz war Klock bei der Bundeswehr und konnte dort Stabsunteroffizier werden. Nach seiner aktiven Zeit war er weiter als Reservist aktiv und zog nach Kassel, um an der Universität Wirtschaftspädagogik und Germanistik zu studieren. 

Richard Klock selbst ist neben seiner Aktivität für die AfD auch Alter Herr der faschistischen Kasseler Burschenschaft Germania. Innerhalb der AfD kann Klock dem Höcke-Flügel zugeordnet werden und fiel in seiner Zeit als Stadtverordneter durch rechtsextreme Äußerungen auf.

Florian Kohlweg

Frommershäuser Str. 101f, 34246 Vellmar

Florian Kohlweg ist Sprecher des Kreisverbands Kassel-Land und führt als Fraktionsvorsitzender die AfD-Fraktion im Kreistag an. Darüber hinaus sitzt er in der Stadtverordnetenversammlung in Bad Karlshafen und leitet dort einen der wenigen nordhessischen Ortsverbände. Mittlerweile ist Florian Kohlweg jedoch mit seiner Freundin nach Obervellmar gezogen und auch sein Engagement für die AfD hat spürbar nachgelassen. War er 2018 noch Kandidat bei den Landtagswahlen sowie in den Vorständen der AfD als stellvertretender Sprecher und der JA als Beisitzer aktiv, so hat er heute weitergehende politische Ambitionen fallen gelassen. Stattdessen besteht sein Leben aus der Arbeit bei der Wirtschaftskanzlei Wika AG. Inhaltlich gibt sich Kohlweg, politisch wie privat, mehr neoliberal als völkisch – vielleicht mit ein Grund dafür, dass er in der gegenwärtigen JA keine Rolle mehr spielt. Gleichzeitig zeigt die Äffare rund um die Kandidatur von Christian Wenzel, dass er weder ein Problem hat mit Nazis gemeinsame Politik zu machen, noch für den Job des Pressesprechers geeignet ist. Laut Wenzel habe Kohlweg ihm bei Whatsapp aus taktischen Gründen zum Rücktritt von der Kandidatur gedrängt, aber zugesichert er könnte wieder AfD-Mitglied werden sobald dann „Gras über die Sache gewachsen“ sei.
Florian Kohlweg ist neben Rene Stephan der einzige JA’ler
, der Funktionen in der überalterten AfD im Landkreis bekleidet.

Sergej Scherrmann

Kirchweg 31, 34121 Kassel

Sergej Scherrmann ist bereits seit mindestens 2018 in der Jungen Alternative aktiv. Er trat als Geschäftsführer der AfD im Landkreis Kassel auf und organisierte unter anderem im Jahr 2020 den Neujahrsempfang der AfD im „Glashaus“ in Lohfelden mit – die letzte wirkliche Großveranstaltung der AfD vor Ort. Zusammen mit Florian Kohlweg, Sprecher des Kreisverbandes Kassel-Land, arbeitet er für die „Wika AG“ in Kassel. Darüber hinaus studiert der 30Jährige AfD’ler momentan noch im Bachelor Politik- und Geschichtswissenschaften an der Universität Kassel. Verwunderlich ist, dass Scherrmann trotz seines Engagements für die AfD dieses Jahr in seinem Heimatland bei der Saarländischen CDU Fraktion ein Praktikum absolvieren konnte. Ansprechpartner für den AfD’ler im Landtag war der damalige Saarländische Ministerpräsident und CDU-Landesvorsitzende Tobias Hans. Scherrmann war vor seiner Funktion in der AfD und seinem Studium in Kassel bereits bei der Jungen Union in Merzig aktiv.

Sergej Scherrmann in Eigendarstellung 2022

Sergej Scherrmann in Eigendarstellung 2022